Sehenswürdigkeiten · Wien

Währinger Tempel

Währinger Tempel
Gryffindor CC BY 2.5

Der Währinger Tempel war eine Synagoge im 18. Wiener Bezirk Währing, die in der Schopenhauerstraße 39 stand. Erbaut zwischen 1888 und 1889 nach Plänen des Architekten Jakob Modern, vereinte das Gebäude abendländische und morgenländische Stilelemente. Die Grundsteinlegung erfolgte am 40-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I., die Bauleitung lag bei Stadtbaumeister Joseph Wurts. Nach der Eingemeindung Währings zu Wien 1890 übernahm die Israelitische Kultusgemeinde die Verwaltung des Tempels, der 1938 während der Novemberpogrome zerstört und später abgetragen wurde. Heute erinnert nur noch eine Rasenfläche an den Standort.

Der Bau war eine architektonische Besonderheit, da er in einem engen Innenhof zwischen Nachbarhäusern errichtet werden musste. Trotz der beengten Verhältnisse entstand ein basilikaähnliches Gebäude mit zwei Ebenen, das 504 Sitzplätze bot – 328 für Männer im Parterre und 176 für Frauen auf der Empore. Die Fassade bestand aus Sichtziegeln mit steinernen Fenstermittelstücken und zementgefertigten Bildhauerarbeiten. Innen prägten Arabeskenmalereien, Blattvergoldungen und eine Mischung aus italienischer Renaissance und Romantik den Raum. Technisch innovativ war die Kombination aus Gasbeleuchtung, zwei großen Heizöfen und einem Lüftungssystem mit kalten und warmen Schläuchen.

Vor Ort lässt sich heute kaum noch etwas von der einstigen Pracht erkennen. Der Standort ist eine schlichte Rasenfläche hinter einem Neubau, doch die Rekonstruktion von 2005 durch Christoph Oberhofer gibt zumindest einen Eindruck des ursprünglichen Erscheinungsbilds. Die Synagoge war einst ein Zentrum des jüdischen Lebens in Währing, wo Rabbiner wie Wilhelm Sor oder David Feuchtwang wirkten. Die Architektur spiegelte die Anforderungen einer selbstständigen Vorortgemeinde wider, die trotz begrenztem Raum und strengen Auflagen ein funktionales und ästhetisches Gotteshaus schuf.

Quellen (1)

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