Kaunas liegt in Litauen, wo die Neris in die Memel mündet. Die Stadt befindet sich etwa hundert Kilometer westlich der Hauptstadt Vilnius und ist von der Mittellitauischen Niederung umgeben. Im Westen erstreckt sich der Lampėdis-See, ein Naherholungsgebiet auf dem Gebiet einer ehemaligen Kiesgrube. Die Memel ist hier zum Kaunasser Stausee aufgestaut, der oberhalb der Stadt liegt.
Die erste Erwähnung der Stadt geht auf eine litauische Burg an der Flussmündung zurück, die im 14. Jahrhundert wiederholt von Rittern des Deutschen Ordens angegriffen wurde. Nach der Niederlage des Ordens entwickelte sich Kaunas zu einem wichtigen Handelsplatz und erhielt 1408 die Magdeburger Stadtrechte. Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt zu einem Zentrum des jüdischen Lebens in Litauen, das durch ein Pogrom 1761 geprägt war. Nach der Zugehörigkeit zu Russland wurde Kaunas im frühen 20. Jahrhundert zur provisorischen Hauptstadt Litauens, nachdem Vilnius unter polnische Kontrolle geraten war.
Heute ist Kaunas für seine lange Fußgängerzone bekannt, die die mittelalterliche Altstadt mit der Neustadt verbindet. Die Stadt beherbergt mehrere Universitäten und ist ein bedeutender Standort für Textilkunst, die auf eine traditionelle Textilindustrie zurückgeht. Die internationale Textilkunst-Biennale genießt hohes Ansehen. Teile der Stadt wurden 2023 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Kaunas ist zudem ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein Zentrum für Industrie, Bildung und Wissenschaft.