Tour · Bayern · mittel

Kempten: Römer und Altstadt

Auf dem östlichen Hochufer der Iller liegen die Kleinen Thermen und das Gelände der Römerstadt Cambodunum. Danach führt der Weg über den Fluss zur Burghalde und zum St.-Mang-Platz. Kirche, Kapellenreste und Brunnen liegen hier nah beieinander. Zum Schluss gehst du weiter zur Residenz und zur Basilika St. Lorenz, dem Baukomplex des früheren Fürststifts. Acht Stationen verbinden römische Ausgrabungen mit der Altstadt und den beiden Teilen der historischen Doppelstadt Kempten. Für die 3,1 km sind mit kurzen Stopps rund zwei Stunden zu rechnen. Die reine Gehzeit beträgt etwa 41 Minuten. Führungen, Museumsbesuche und ausführliche Innenbesichtigungen kommen hinzu.

Kempten: Römer und Altstadt
Flocci Nivis CC BY 4.0
Dauer
2 Stunden
Länge
3,1 km
Stationen
8
Schwierigkeit
mittel

8 Stationen. Ein zusammenhängender Weg.

🧭 Tour starten

Öffnet die Fußgänger-Route in Google Maps

01

Das Bad des Statthalters

Die Kleinen Thermen gehören zum Archäologischen Park Cambodunum und liegen im Nordosten des Parkgeländes. Unter einem Schutzbau liegen die originalen Überreste einer römischen Badeanlage. Sie war zunächst das Privatbad des Statthalters der Provinz Rätien. Neben dem Forum bewohnte er einen repräsentativen Palast; das Bad schloss sich daran an. Seine Mitarbeiter und Gäste durften es ebenfalls nutzen. Die Ausstellung zeigt neben den Bauresten Funde aus den Ausgrabungen.

Später zog der Statthalter nach Augusta Vindelicum, dem heutigen Augsburg. Der Palast in Cambodunum wurde zum Gästehaus. Auch die Badeanlage veränderte sich: Beim Umbau kam eine öffentliche Latrine hinzu. An dieser Station gehören also unterschiedliche Nutzungen zusammen. Der Schutzbau bewahrt die antiken Reste und macht sie als Teil des Museums zugänglich. Die Kleinen Thermen sind ein eigener Ausstellungsbereich innerhalb des Parks, neben dem Tempelbezirk und dem Gelände von Forum und Basilika.

Dein Weg beginnt an diesem Bad und führt anschließend durch das Parkgelände zum Bereich der öffentlichen Bauten und der Tempel. Schau dir die erhaltenen Mauern und die ausgestellten Fundstücke an, wenn du den Innenbesuch einplanst.

Vor Ort: Der Eingang liegt an der Merktstraße 1. Eintritt und Besuchszeiten für Thermen und Tempelbezirk stehen in der Besucherinfo des APC.

02

Tempel, Markt und Gericht

Im Archäologischen Park Cambodunum liegen die Reste des römischen Stadtzentrums auf dem östlichen Hochufer der Iller. Zum Park gehören der gallorömische Tempelbezirk, die Kleinen Thermen und das Gelände von Forum und Basilika. Nach dem Bad führt die Tour hier zu den öffentlichen und religiösen Bauten der antiken Stadt. Das offene Parkgelände bewahrt die Mauerzüge des Forums und der Basilika.

Auf dem Forum wurden Märkte abgehalten. In der zugehörigen Basilika fanden Versammlungen und Gerichtsverhandlungen statt. Das Wort bezeichnet hier also einen öffentlichen Bau der Römerstadt. Die Anlage ist als archäologischer Befund in eine Parklandschaft eingebettet. Du kannst die erhaltenen Grundmauern ansehen und den Verlauf der Gebäude im Gelände verfolgen.

Im Tempelbezirk stehen Teilnachbauten am ursprünglichen Ort. Altäre und Tempel waren von einer Doppelhalle umgeben. Die Ausstellung behandelt römische und einheimische Gottheiten, die in Cambodunum verehrt wurden; dazu gehören Herkules und Epona. Ein Weihestein ist der Göttin Epona gewidmet. Die Rekonstruktionen und die erhaltenen antiken Baureste sind unterschiedliche Teile der Präsentation. Vom Park gehst du anschließend über die Iller auf die Altstadtseite und weiter zur Burghalde.

Vor Ort: Forum und Basilika liegen im frei zugänglichen Parkgelände. Für den Tempelbezirk gelten die Besuchsinformationen des APC.

Tempel, Markt und Gericht
Alofok CC BY-SA 3.0
03

Der Burghügel der Stadtherren

Die Burghalde ist ein Hügel in Kempten mit Resten einer früheren Befestigung. Funde von hier reichen in die römische Kaiserzeit zurück. Im Mittelalter stand auf der Nordseite die Burg des Fürstabts. Eine Quermauer trennte diesen Burgbereich vom übrigen Hügelplateau. Reste eines mittelalterlichen Buckelquaderturms sind in der Westwand des Pavillons erhalten.

Später nutzte die Stadt das Gelände landwirtschaftlich und als Steinbruch. Die Burghalde wurde in die Stadtbefestigung einbezogen und in der frühen Neuzeit weiter befestigt. Nach der Schleifung der Anlage blieb ein Ruinenfeld zurück. Der Burghaldeverein schuf daraus einen Bürgerpark mit wertvollem Baumbestand. Das Wärterhaus und der Pavillon gehören zu dieser späteren Nutzung des Hügels.

Auf der Burghalde liegen außerdem eine Freilichtbühne und das Wärterhaus des Allgäuer Burgenmuseums. Dessen Sammlung behandelt das Wohnen und den Haushalt auf Burgen, mit Nachbildungen, Zeitfenstern und Modellen; auch Waffen und Rüstungsteile sind zu sehen. Für diese Tour bleibt der Hügel eine Station im Freien. Schau auf die erhaltenen Mauerzüge und den Pavillon, bevor du zur St.-Mang-Kirche weitergehst. Burgreste, Park und spätere Gebäude stehen hier innerhalb derselben Anlage nebeneinander.

Vor Ort: Der Aufgang von der Burgstraße führt über Treppen. Die Burgenregion Allgäu erläutert den Aufgang.

Der Burghügel der Stadtherren
Tilman2007 CC BY-SA 4.0
04

Die Kirche der Reichsstadt

Am St.-Mang-Platz steht die evangelisch-lutherische Stadtpfarrkirche. Ihr spitzer Turm gehört zum Erscheinungsbild des Platzes. Die Kirche geht auf einen romanischen Vorgängerbau zurück und wurde von 1426 bis 1428 im gotischen Stil erweitert. Sie war die Kirche der Reichsstadt Kempten, während St. Lorenz zum benachbarten Fürststift gehörte. Mit diesen beiden Kirchen begegnen dir auf der Tour die unterschiedlichen Teile der früheren Doppelstadt.

Im Chor sind Rippengewölbe, Rankenwerk und Apostelkreuze zu sehen. Der Kirchenraum wurde später barock umgestaltet und anschließend wieder gotisierend überarbeitet. Die Ausstattung stammt aus verschiedenen Bauphasen. Zum Inventar gehört ein aus Eichen- und Lindenholz geschnitzter Altar mit Szenen aus dem Leben Jesu. Gegenüber der Kanzel befindet sich die verzierte Bürgermeisterloge.

Auch die Kirchenbänke haben ein besonderes Detail: Ihre Rückenlehnen lassen sich umklappen. Während der Predigt lässt sich die Blickrichtung der Sitzenden zur Kanzel wenden. Schau auf den Chor, die Loge und die Bänke, wenn die Kirche für einen Besuch zugänglich ist. Unmittelbar beim Kirchengebäude liegen deine nächsten Stationen: der unterirdische Schauraum Erasmuskapelle und der St.-Mang-Brunnen. Für den weiteren Weg bleibst du zunächst auf dem Platz.

Vor Ort: Die Kirche wird für Gottesdienste genutzt. Angaben zum Besuch findest du bei der Kirchengemeinde St. Mang.

Die Kirche der Reichsstadt
Ricardalovesmonuments CC BY-SA 4.0
05

Eine Kapelle unter dem Platz

Unter dem St.-Mang-Platz liegt das erhaltene Untergeschoss der Erasmuskapelle. Das Gebäude wurde als Friedhofskapelle mit Beinhaus errichtet. Später diente es unter anderem als Leinwandschauhaus, Weinkeller und Trinkstube. Nach dem Abbruch des oberirdischen Gebäudes blieben Mauern im Boden zurück. Der Schauraum zeigt diese Originalteile und erzählt die Baugeschichte des Ortes.

Verputzte Wände, Reste von Wandmalereien, Fenster, Wandnischen und der Ansatz des Gewölbes gehören zum erhaltenen Bestand. Projektionen und Hörbilder begleiten die Präsentation. Ein Monitortisch erläutert Funde aus den Ausgrabungen. An der Ostwand öffnen sich Einblicke in das ehemalige Beinhaus. Die Ausstellung verbindet die sichtbaren Baureste mit der Geschichte ihrer unterschiedlichen Nutzungen.

Schon oben auf dem Platz ist die Lage der Kapelle markiert: Ein Bronzeband zeichnet ihren Grundriss im Boden nach. Der Zugang zum Schauraum besteht aus Beton und Glas. Du kannst diese Spuren auch auf deinem Rundgang im Freien ansehen. Für den Innenbesuch führt eine Treppe hinunter; die Besichtigung erfolgt im Rahmen einer Führung. Danach bleibst du auf dem St.-Mang-Platz und gehst zum Brunnen neben der Kirche weiter. Ein vollständiger Besuch des Schauraums gehört zum zusätzlichen Museumsprogramm, nicht zur reinen Gehzeit.

Vor Ort: Für den Schauraum ist eine Führung erforderlich. Buchung und Zugang erklärt die Besucherseite zur Erasmuskapelle.

Eine Kapelle unter dem Platz
Tobias "ToMar" Maier CC BY-SA 3.0
06

Magnus unter dem Baldachin

Der St.-Mang-Brunnen steht neben dem Kirchturm auf dem St.-Mang-Platz. Georg Wrba schuf die Anlage 1905 in Formen des Jugendstils. Die Anlage verbindet eine Baldachinarchitektur mit Bronzefiguren. Unter dem Baldachin steht eine Figur des heiligen Magnus von Füssen. Der Brunnen und die Kirche tragen denselben Heiligennamen.

An der Außenseite sitzen Jungen auf Tierfiguren aus Bronze. Zu den dargestellten Tieren gehören Einhorn, Steinbock, Hirschkuh und Hirsch. Die unterschiedlich gestalteten Unterkörper der Tiere stehen für die vier Elemente. Hier kannst du zwischen dem überdachten Mittelpunkt und den außen angeordneten Figuren unterscheiden. Schau dir die Tiere und die Gestaltung des Baldachins von den verschiedenen Seiten des Brunnens an.

Der Brunnen gehört zu einem Platz mit weiteren historischen Bauten. Neben der Kirche und dem Zugang zur Erasmuskapelle liegt hier auch das Rote Haus mit vorgeblendeter Fassade, zwei Erkern und zwei Volutengiebeln. Dahinter stehen im Kern spätmittelalterliche Häuser mit der Traufseite zum Platz. Dein Weg führt anschließend über den Rathausplatz zur Residenz. Auf diesem Weg verlässt du den Bereich um St. Mang und gehst weiter zum früheren Fürststift.

Vor Ort: Der Brunnen steht auf dem St.-Mang-Platz. Die Brunnenübersicht von Kempten Tourismus beschreibt die Figuren und ihre Anordnung.

Magnus unter dem Baldachin
Diego Delso CC BY-SA 4.0
07

Die Wohnräume des Fürstabts

Die Fürstäbtliche Residenz gehört zum Gebäudekomplex neben St. Lorenz. Fürstabt Roman Giel von Gielsberg ließ Kirche und Residenz nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges neu errichten. Michael Beer begann den Bau; Johann Serro führte ihn weiter und verband Kirche und Residenz mit einem Sakristeianbau. Das Gebäude war Kloster und Sitz des Fürstabts.

Die fürstäbtlichen Wohnräume im Südflügel wurden laut Bayerischer Schlösserverwaltung zwischen 1732 und 1742 ausgestattet. Fürstabt Anselm von Reichlin-Meldegg beauftragte Künstler mit der Gestaltung. Dazu gehörten der Maler Franz Georg Hermann, der Bildhauer Aegid Verhelst und der Stuckator Johann Georg Üblher. Die Raumfolge umfasst Festsaal, Vorzimmer, Audienzzimmer, Wohnzimmer und Schlafzimmer. An die Stelle eines Kabinetts tritt die Hofkanzlei.

Im Festsaal bedeckt ein Deckenbild das Tonnengewölbe. Stuckfiguren und architektonische Gliederungen gehören zur Ausstattung des Raums. Die Wohnräume und der Festsaal unterscheiden sich in ihrer Gestaltung; sie gehören dem Régencestil beziehungsweise dem Rokoko an. Auf deinem Rundgang betrachtest du zunächst den zusammengehörigen Baukomplex von außen. Wer die Prunkräume besichtigen möchte, nimmt an einer Führung teil und plant dafür zusätzliche Zeit ein. Anschließend endet die Tour an der benachbarten Basilika St. Lorenz.

Vor Ort: Die Prunkräume sind nur mit Führung zu besichtigen. Die Besucherseite von Kempten Tourismus erläutert den Zugang.

Die Wohnräume des Fürstabts
Carsten Steger CC BY-SA 4.0
08

Klosterkirche und Pfarrkirche

Die Basilika St. Lorenz steht auf einer Anhöhe direkt neben der Fürstäbtlichen Residenz. Ihre Doppelturmfassade und die Kuppel über dem Chorraum gehören zum Erscheinungsbild des Baukomplexes. Die Kirche entstand nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges als barocker Neubau auf den Grundmauern älterer romanischer und gotischer Kirchen. Sie sollte sowohl dem Kloster als auch der Pfarrei dienen.

Diese Aufgaben finden sich im Bauplan wieder. Michael Beer entwarf den Chor für die Klosterkirche als achteckigen Raum mit einer Krypta darunter. Für die Pfarrkirche plante er ein basilikales Langhaus und fügte beide Bereiche zusammen. Johann Serro setzte die Arbeiten fort. Zum später erweiterten Bau gehören Rundkapellen an den Seitenschiffen.

Im Inneren stehen geschnitztes Chorgestühl und Altäre; Stuck und Deckenmalereien gehören zur Ausstattung. Vor der Kirche liegt der Hildegardplatz. Von dort kannst du die Fassade und die Verbindung zur Residenz betrachten. Hier endet dein Weg vom römischen Bad über die Burghalde und den St.-Mang-Platz zum früheren Fürststift. Die beiden Stadtpfarrkirchen gehören zu unterschiedlichen Teilen der historischen Doppelstadt: St. Mang zur Reichsstadt, St. Lorenz zum Fürststift.

Vor Ort: Die Pfarrei St. Lorenz veröffentlicht die Besuchszeiten. Die Tour endet am Hildegardplatz.

Klosterkirche und Pfarrkirche
High Contrast CC BY 3.0 de

Gut ankommen. Entspannt zurück.

Startpunkt
Kleine Thermen Cambodunum, Merktstraße 1
Ziel
Basilika St. Lorenz am Hildegardplatz
Anreise
Die [Besucherinfo des Archäologischen Parks Cambodunum](https://www.apc-kempten.de/de/besucherinfo) beschreibt die Busverbindungen vom Hauptbahnhof und vom Zentralen Umsteigeplatz. Der Eingang der Kleinen Thermen liegt an der Merktstraße 1.
Rückweg
Zurück zum Start sind es zu Fuß rund 2,0 km und etwa 27 Minuten. Dieser Rückweg ist nicht in den 3,1 km der Tour enthalten.

Die Stationen im Überblick.

Karte wird geladen

Quellen

Diese Tour ist ein Vorschlag von UbiBene und stellt kein Angebot im Sinne eines Reisebüros dar – keine Pauschalreise, keine Buchung, keine Vermittlung von Reiseleistungen.