Rietschen liegt im Norden des Landkreises Görlitz, am Rand der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Der Weiße Schöps durchfließt mehrere Ortsteile, während im Westen der Tagebau Reichwalde und im Norden der Truppenübungsplatz Oberlausitz angrenzen. Die Gemeinde gehört zum sorbischen Siedlungsgebiet, doch die meisten Orte sind seit dem 19. Jahrhundert weitgehend deutschsprachig geprägt.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Rietschen 1362 als Reczicz, was auf eine slawische Gründung am Fluss hinweist. Im 14. Jahrhundert entstand hier ein Herrensitz, der sich zum Rittergut entwickelte und bis ins 17. Jahrhundert die Geschicke des Ortes bestimmte. Nach der preußischen Übernahme 1815 gehörte Rietschen zum Kreis Rothenburg. Der Anschluss an die Eisenbahn 1867 leitete einen Wandel ein: Sägewerke, Glashütten und später die Bergbaugesellschaft Teicha prägten die Industrialisierung.
Heute ist Rietschen vor allem für seine Schrotholzhäuser bekannt, die aus abgebaggerten Dörfern umgesetzt wurden und am Erlichtteich die Erlichthofsiedlung bilden. Die Kirche, 1914 bis 1916 erbaut, zeigt kunstvolle Gestaltung von Joseph Langer. Partnerschaften verbindet die Gemeinde mit Feldkirchen bei München und der polnischen Stadt Iłowa. Die Glas- und Bergbaugeschichte lebt im Wappen weiter, das Wald und Industrie vereint.