Reichersberg liegt im oberösterreichischen Innviertel auf einer Höhe von 347 Metern. Die kleine Marktgemeinde erstreckt sich über etwa sechs Kilometer von Nord nach Süd und drei Kilometer von West nach Ost. Ihr Gebiet umfasst rund 21 Quadratkilometer, wobei Wälder nur einen geringen Teil ausmachen und der Großteil landwirtschaftlich genutzt wird. Im Ortskern prägt das historische Stift das Bild, während die Katastralgemeinden Hart und Traxlham das Umland gliedern.
Die Wurzeln des Ortes reichen bis in die Römerzeit zurück, als das Gebiet südlich des Inns zur Provinz Noricum gehörte. Ein römischer Grabaltar, bei Bauarbeiten in Münsteuer gefunden, zeugt von dieser Epoche. Das Stift Reichersberg wurde 1084 von Wernher von Reichersberg gegründet, nachdem dieser seinen Besitz nach dem Tod seines Sohnes in eine klösterliche Stiftung umwandelte. Im 17. Jahrhundert zerstörte ein Großbrand die Anlage, doch im Barock erhielt sie ihr heutiges Gesicht. Politisch wechselte Reichersberg mehrfach die Zugehörigkeit: Nach dem Frieden von Teschen kam es zu Österreich, wurde während der Napoleonischen Kriege bayerisch und gehört seit 1816 endgültig zu Oberösterreich.
Das Stift mit seiner barocken Architektur und dem Stiftsmuseum ist das kulturelle Herz der Gemeinde. Es beherbergt eine bedeutende Sammlung von Werken der Bildhauerfamilie Schwanthaler und eine historische Bibliothek. Die Stiftskirche zum hl. Michael und die Pfarrkirche in Münsteuer zählen zu den Sehenswürdigkeiten. Seit fünf Jahrzehnten lockt der Reichersberger Sommer mit Konzerten, Ausstellungen und Lesungen Besucher an. Die verkehrsgünstige Lage begünstigt die Ansiedlung von Betrieben im Osten, während das Stift bis heute das öffentliche Leben prägt.