Tirano liegt im oberen Veltlin, dort wo das Tal in das Puschlav übergeht und die Grenze zur Schweiz beginnt. Die Stadt breitet sich am linken Ufer der Adda aus, umgeben von Obst- und Weinbergen. Früher lebten die Bewohner von Landwirtschaft und kleinem Gewerbe, heute arbeiten viele in Mailand oder im Tourismus des nahen Oberengadins. Die Gemeinde umfasst etwa 32 Quadratkilometer und zählt rund 8800 Einwohner.
Erstmals erwähnt wird Tirano im Zusammenhang mit einer Burg, die 1073 errichtet wurde. Im Mittelalter wechselte die Stadt mehrfach die Herrschaft: von Como an Mailand, dann unter die Bündner, bevor sie wieder an Mailand fiel. Im 16. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einem wichtigen Handelsplatz zwischen Bünden und Venedig. Die Reformation hinterließ hier tiefe Spuren, doch nach blutigen Konflikten setzte sich die katholische Gegenreformation durch. Später prägte der Weinhandel mit Bündner Firmen die Wirtschaft.
Die Altstadt bewahrt Spuren ihrer bewegten Geschichte: Reste der mittelalterlichen Stadtmauer mit drei Toren, die Ruine der Burg Dosso und prächtige Paläste aus der Bündner Zeit. Besonders sehenswert ist die Wallfahrtskirche Madonna di Tirano, die an eine Marienerscheinung anknüpft und mit ihrer barocken Pracht beeindruckt. Kulturell bietet das ethnografische Museum Einblicke in die lokale Tradition, während die umliegenden Weinberge und die Nähe zu den Schweizer Alpen die kulinarische Identität prägen.