Das Tujetsch liegt im Kanton Graubünden und gehört zur Region Surselva. Es erstreckt sich entlang des Vorderrheins, vom Oberalppass bis nahe Bugnei, und bildet den westlichsten Teil des Kantons. Im Süden grenzt es an den Kanton Tessin, im Westen an Uri, wo sich am Piz Alv ein Dreikantonseck befindet. Elf Fraktionen reihen sich talabwärts, darunter Sedrun als Hauptort. Der Tomasee auf 2345 Metern gilt als Quelle des Vorderrheins, während der Maighelsgletscher und der Crispalt mit 3076 Metern Höhe das Landschaftsbild prägen.
Die Besiedlung des Tals reicht bis in prähistorische Zeiten zurück, wie Megalithen und Schalensteine an alten Saumwegen belegen. Nach der Gründung des Klosters Disentis im achten Jahrhundert wurde das bewaldete Tal kolonisiert und gehörte zur Cadi. Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert wanderten Walser über den Oberalppass ein und ließen sich im oberen Tujetsch nieder. Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit prägte die Zucht des kleinen Tavetscher Schafs die Wirtschaft, bis die Rasse 1940 verschwand. Später entwickelte sich der Ort durch Erzabbau, Töpferei und Tourismus, wobei die Furka-Oberalp-Bahn und der Bau von Skiliften ab den 1920er Jahren den Wandel beschleunigten.
Heute ist das Tujetsch vor allem für seinen Winter- und Sommertourismus bekannt, der durch die SkiArena Andermatt-Sedrun und zahlreiche Dreitausender wie den Oberalpstock geprägt wird. Die rätoromanische Sprache und Kultur sind lebendig, etwa im lokalen Dialekt Tuatschin. Historische Bauwerke wie die Pfarrkirche Sankt Vigilius in Sedrun oder die Kapelle St. Nikolaus in Tschamut zeugen von der langen Geschichte. Persönlichkeiten wie der Bildhauer Paolo Dominici oder der Benediktinerpater Baseli Berther verbinden das Tal mit überregionaler Bedeutung.